Extra Team Kita Rahmenschutzkonzept: Ziel und Anbindung an die Unternehmenspolitik

Das Extra Team Kita Rahmenschutzkonzept soll eine professionelle Auseinandersetzung mit Fragen des Schutzes von Kindern und Jugendlichen fördern, es soll klare Handlungsweisen für den Umgang mit Fällen der Kindeswohlgefährdung aufzeigen und die Prävention unterstützen. Es ist hier in Teilen wiedergegeben.

Grundlage des Rahmenschutzkonzeptes ist zunächst die Unternehmenspolitik. Aus ihr leiten sich Führungs- und Handlungsgrundsätze sowie Unternehmensziele ab. Sie ist die Basis der gelebten Unternehmenskultur bei Extra.

Eine dieser Ableitungen aus der Unternehmenspolitik ist es, sich für ein Umfeld einzusetzen, in dem jeder Mensch mit Würde und Respekt behandelt wird - unabhängig von Geschlecht, Rasse, Alter, Religion, Weltanschauung, Nationalität, ethnischer Herkunft, sexueller Identität oder Behinderung.

Gegenseitige Achtung und Respekt bedeuten auch, dass wir die Individualität unserer Kolleginnen und Kollegen genauso schätzen, wie das Vertrauen, das uns Bewerberinnen und Bewerber entgegenbringen, die uns zum ersten Mal begegnen.

Kinder und Jugendliche fördern und schützen

Während diese grundsätzlichen Handlungsweisen für alle Bereiche des Unternehmens gelten, so gewinnen sie doch im Arbeitsumfeld des Extra Team Kita noch eine zusätzliche Bedeutung. Denn hier muss neben der Förderung von Kindern und Jugendlichen in ihrer Entwicklung, also der eigentlichen pädagogischen Arbeit, auch ihr Schutz vor Gefahren für ihr Wohl besondere Aufmerksamkeit erfahren.

Die oben genannten Aspekte, die zunächst vorwiegend Beschäftigte, Kunden und Partner als Adressaten hatten, gelten selbstverständlich in besonderem Maße auch für die Kinder und Jugendlichen, die unsere Beschäftigten vor Ort in den Einrichtungen betreuen, an die sie überlassen wurden.

Entwicklung des Rahmenschutzkonzeptes

Unsere enge Zusammenarbeit mit Trägern der Kinder- und Jugendhilfe legt es nahe, dass wir uns im Extra Team Kita an den gleichen Regelungen orientieren, wie sie für Träger der Kinder- und Jugendhilfe verbindlich sind.

Insbesondere unser „Verhaltenskodex zum Schutz vor (sexualisierter) Gewalt“ bringt diesen Anspruch zum Ausdruck. Das Extra Team Kita Rahmenschutzkonzept stellt ausführlich dar, was dies für unsere praktische Arbeit bedeutet. Wir orientieren uns dabei an den Regelungen des Kinder- und Jugendhilfegesetzes (SGB VIII).

Bei der Erstellung des Rahmenschutzkonzeptes waren Beschäftigte und Führungskräfte des Extra Team Kita aus allen Standorten beteiligt. Berücksichtigt wurden dabei Regelungen von Kundeneinrichtungen sowie die Arbeitshilfe „Kinderschutz in Einrichtungen“ des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Hamburg e.V. .

Durch die Besonderheit, dass das Extra Team Kita selbst nicht Träger ist, sondern mit verschiedenen Trägern der Kinder- und Jugendhilfe zusammenarbeitet, kann es möglich sein, dass in der täglichen Praxis einrichtungsspezifische Konzepte mitberücksichtigt werden müssen.

Verfahrensabläufe im QM-System

Die Verfahrensabläufe des Rahmenschutzkonzeptes sind - wie alle relevanten Unternehmensprozesse - in die elektronisch vorliegende QM-Dokumentation von Extra integriert. Hier unterliegen sie dem Änderungsdienst. In dieser Kurzdarstellung des Rahmenschutzkonzeptes sind sie nicht enthalten.

Kindeswohlgefährdung außerhalb von Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe

Das Bürgerliche Gesetzbuch bezeichnet es als Kindeswohlgefährdung, wenn das geistige, körperliche oder seelische Wohl eines Kindes gefährdet ist und die Erziehungsberechtigten nicht bereit oder in der Lage sind, die Gefahr abzuwenden. Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind – und nur dann – ist der Staat berechtigt, in das Recht der elterlichen Sorge einzugreifen, um das Wohl des Kindes sicherzustellen.

Als Kindeswohlgefährdung werden folgende Erscheinungsformen unterschieden:

  • Seelische und körperliche Vernachlässigung
  • Seelische und körperliche Misshandlung
  • Sexualisierte Gewalt.
  • Seelische und körperliche Vernachlässigung: Vernachlässigung ist eine andauernde oder wiederholte Unterlassung fürsorgerischen Handels der Eltern, welches zur Sicherstellung der physischen und psychischen Versorgung des Kindes notwendig wäre. Diese Unterlassung kann bewusst oder unbewusst, aufgrund unzureichender Einsicht oder unzureichenden Wissens erfolgen.
  • Seelische und körperliche Misshandlung: Die seelische (emotionale und psychische) Misshandlung umfasst alle wiederholten Äußerungen und Handlungen, die das Kind ängstigen, herabsetzen oder überfordern. Kinder und Jugendliche fühlen sich dadurch abgelehnt und wertlos. Dagegen umfasst sie körperliche Misshandlung alle Handlungen, die zu körperlichen Verletzungen oder gar zum Tod des Kindes führen können.
  • Sexualisierte Gewalt: Sexualisierte Gewalt ist jede sexuelle Handlung, die durch Erwachsene oder Jugendliche an, mit oder vor einem Kind entweder gegen den Willen vorgenommen wird oder wenn das Kind aufgrund körperlicher, psychischer, kognitiver oder sprachlicher Unterlegenheit nicht wissentlich zustimmen kann. Der Täter bzw. die Täterin nutzt die Macht- oder Autoritätsposition aus, um eigene Bedürfnisse zu befriedigen.

Merkblatt „Anhaltspunkte für Kindeswohlgefährdung“

Das Merkblatt „Anhaltspunkte für Kindeswohlgefährdung“ (nicht online verfügbar) ist Teil des Einstellungsverfahrens in Extra Team Kita. Die aufgeführte Liste soll als Orientierungshilfe für die Beschäftigten bei der Einschätzung von Gefährdungslagen dienen. Es handelt sich allerdings nicht um eine vollständige Auflistung, welche alle Gefährdungssituationen erfasst.

Präventive Maßnahmen für den Kinderschutz innerhalb von Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe

Der Schutz vor Gewalt in jeglicher Form gegenüber Kindern und Jugendlichen ergibt sich bereits aus der Extra-Unternehmenspolitik. Praktische Handlungsanweisungen und konkrete Maßnahmen zum Schutz vor Gewalt sind darüber hinaus in unserem „Kodex zum Schutz vor (sexualisierter) Gewalt“ beschrieben. Weitere Regelungen wurden hieraus abgeleitet und eingeführt. Sie sind integraler Bestandteil des QM-Systems von Extra. Die Einhaltung der beschriebenen Regeln wird daher auch im Rahmen jährlicher Qualitätsaudits durch eine neutrale Stelle (derzeit „TÜV Nord Cert“) begutachtet. Der Blick von außen und die Reflexion innerhalb der Organisation sollen gemeinsam mit der klar formulierten Verantwortung der Geschäftsführung für eine hohe Priorisierung des Schutzes vor Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen sorgen.

Als Personaldienstleister nehmen wir diese Verantwortung im Rahmen der Auswahl, Qualifizierung und Begleitung unserer Beschäftigten selbst wahr, versuchen darüber hinaus jedoch stets, einen intensiven Dialog mit unseren Kundeneinrichtungen zu führen, insbesondere um die Prävention von Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen zu fördern.

Fortbildungen durch die Extra Akademie

Die Extra Akademie bearbeitet neben den Bereichen Ernährungswissenschaften, Psychologie sowie Organisation & Recht auch Fragen des Schutzes vor Kindeswohlgefährdung. Dabei kooperiert sie mit Fachleuten von Dunkelziffer e.V.. Gemeinsam werden regelmäßig Fortbildungen für die Beschäftigten im Extra Team Kita angeboten.

Beteiligung von Beschäftigten

Beteiligung heißt Mitwirkung und Mitbestimmung. Unsere Beschäftigten werden an der Entwicklung und kontinuierlichen Überprüfung des Rahmenschutzkonzeptes einbezogen. Nur wer mitdenken und mitreden kann, wird nach besten Kräften die gestellten Aufgaben mitverantworten. Die Beteiligung erstreckt sich weiterhin auf die gemeinsame Reflexion der Arbeit in den Einrichtungen sowie auf die Arbeit im Extra Team Kita als Dienstleistungsunternehmen. Auch an der Erstellung des Rahmenschutzkonzeptes waren Beschäftigte beteiligt.

Beteiligung von Eltern, Kindern und Jugendlichen

Die Beteiligung von Eltern, Kindern und Jugendlichen bleibt der Einrichtung vorbehalten. Die Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe setzen eine systematische Elternarbeit um.

Sexualpädagogische Konzepte

Unsere Beschäftigten geben - wie Stammbeschäftigte unserer Kundeneinrichtungen selbst - den Kindern und Jugendlichen Gelegenheit, über die für sie relevanten Themen zu sprechen, z.B. Gefühle, Berührungen, Geheimnisse, Widerstandformen und schwierige Momente. In den Fortbildungen der Extra Akademie werden sexualpädagogische Konzepte besprochen. Thematisiert werden beispielsweise: Sexualaufklärung, den eigenen Gefühlen zu vertrauen, gute und schlechte Berührungen sowie selber bestimmen.

Einstellungsverfahren und erweitertes Führungszeugnis

Integraler Bestandteil bei der Einstellung aller überbetrieblich eingesetzter Beschäftigter ist zunächst die „Selbsteinschätzung Sicherheit und Gesundheit“, in der unter anderem Vorkenntnisse im Arbeitsschutz, Vorsorgeleistungen und die Ersthelfer-Qualifikation thematisiert werden. In diesem Zusammenhang erfolgt auch die Vereinbarung mit dem Beschäftigten, jederzeit auf Anforderung polizeiliche Führungszeugnisse vorlegen zu müssen (eine Art „Grundsatzerklärung“). Auch alle Beschäftigten der Extra-Personalservice GmbH, die nicht dem Extra Team Kita zugeordnet werden, unterzeichnen diese Selbsteinschätzung mit den darin enthaltenen Verpflichtungen. Im Falle von Zweifeln an der Zuverlässig eines/einer möglichen neuen Beschäftigten, die sich ggf. aus den Fragen nach möglichen Vorstrafen oder dem Vorliegen laufender Ermittlungserfahren ergibt, erfolgt keine positive Einstellungsentscheidung.

Bei allen Beschäftigten des Extra Team Kita wird über diese allgemeingültigen Grundlagen hinaus im Einstellungsgespräch die (sexualisierte) Gewalt gegen Kinder und Jugendliche thematisiert. Die Gespräche schließen mit einer schriftlichen Selbstverpflichtung des/der neuen Beschäftigten ab.

Vor Beginn ihrer Tätigkeit müssen neue Beschäftigte am Extra-Standort Hamburg ein aktuelles „Erweitertes Führungszeugnis“ vorlegen. An den Standorten Berlin und Dresden muss es vor der Einstellung beantragt sein, um dann innerhalb des ersten Beschäftigungsmonats nachgereicht zu werden.

Eine erneute Vorlage des „Erweiterten Führungszeugnisses“ ist im Extra Team Kita alle drei Jahre erforderlich.

Eintragungen im „Erweiterten Führungszeugnis“ sind mit einer Beschäftigung im Extra Team Kita unvereinbar.

Einhaltung Extra Team Kita Verhaltenskodex

Alle Beschäftigten im Extra Team Kita werden vor Beginn ihrer Tätigkeit auf den Verhaltenskodex zum Schutz vor (sexualisierter) Gewalt verpflichtet. Der Verhaltenskodex wird kontinuierlich überprüft und weiterentwickelt.

Handlungsauftrag als Teil der Selbstverpflichtung

Die Selbstverpflichtungserklärung für neue Beschäftigte im Extra Team Kita, die im Rahmen des Einstellungsverfahrens abgegeben wird, beschreibt neben dem verantwortungsvollen Umgang mit Nähe und Distanz zu Kindern und Jugendlichen auch den Handlungsauftrag für Extra-Beschäftigte bei vermuteter (sexualisierter) Gewalt.

Kontinuierliche Förderung des Kinderschutzes

Das Extra Team Kita stellt Ressourcen für die Auseinandersetzung zu dem Thema Kinderschutz zur Verfügung und aktualisiert das Schutzkonzept und die jeweiligen Verfahrenswege. Wo möglich wird ein fachlicher Austausch mit den Kundeneinrichtungen angestrebt.

Kindeswohlgefährdung innerhalb von Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe

  1. Gefährdungen durch Beschäftigte
    Unterscheidung zwischen Grenzverletzungen und (sexuellen) Übergriffen

    Grenzverletzungen beschreiben in der Regel ein einmaliges oder gelegentliches unangemessenes Verhalten gegenüber Kinder und Jugendlichen. Dabei werden die persönlichen Grenzen innerhalb des jeweiligen Betreuungsverhältnissen überschritten. Grenzverletzungen können aus fehlender Achtsamkeit im Umgang mit Kindern und Jugendlichen resultieren.

    Hingegen passieren (sexuelle) Übergriffe nicht zufällig und nicht aus Versehen. Sie unterscheiden sich von Grenzverletzungen durch ihre Häufigkeit und/oder Massivität und die Absicht der handelnden Person. (Sexuelle) Übergriffe können zur Desensibilisierung und zur gezielten Vorbereitung (sexualisierter) Gewalt dienen.

    Der Verfahrensablauf bei vermuteter (sexualisierter) Gewalt durch Beschäftigte ist in dieser Kurzdarstellung nicht enthalten.

    Maßnahmen gegenüber beschuldigten Beschäftigten

    Wird ein Beschäftigter vom Extra Team Kita beschuldigt, sexualisierte Gewalt gegen Kinder oder Jugendliche ausgeübt zu haben, wird er mit Absprache der jeweiligen Einrichtung mit sofortiger Wirkung von der Arbeit freigestellt. Bei erwiesener körperlicher und seelischer Gewalt sowie bei sexualisierten Übergriffen behalten wir uns vor, die/den Beschäftigte/n außerordentlich oder ordentlich zu kündigen und eine Strafanzeige zu stellen.

    Grenzverletzungen stellen in der Regel ein einmaliges Fehlverhalten dar, welches vor dem Ausspruch der Kündigung zunächst abgemahnt werden muss. So bekommen die Beschäftigten die Chance, sich künftig angemessen zu verhalten. Bei besonders schwerwiegendem Fehlverhalten kann eine Kündigung auch ohne vorherige Abmahnung gerechtfertigt sein.

    Einschaltung der Strafverfolgungsbehörden

    Das Bundesministerium für Justiz hat Leitlinien zur Einschaltung von Strafverfolgungsbehörden formuliert. Diese besagen, dass Verdachtsfälle von sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche möglichst schnell an die Strafverfolgungsbehörden weitergegeben werden.

    Das Extra Team Kita schaltet im Verdachtsfall einer sexualisierten Gewalt in gemeinsamer Zusammenarbeit mit den Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe die Strafverfolgungsbehörden ein.

    Vom diesem Grundsatz des Einschaltens der Strafverfolgungsbehörden kann aus folgenden Gründen abgewichen werden:

    • Das Leben und die Gesundheit des Opfers sind gefährdet.
    • Das Opfer lehnt die Strafverfolgung ab.
    • Die verdächtige Person ist jugendlich und hat sich nur mit einer geringen Übertretung strafbar gemacht.

    Umgang mit fälschlich Beschuldigten – Rehabilitation

    Ein Verdacht, der nicht bestätigt wurde geht immer einher mit einem hohen Maß an Verunsicherung und Emotionen. Dieses Verfahren soll zur Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit der beteiligten Beschäftigten diesen.

    Das Extra Team Kita informiert die Leitung und die beteiligten Personen der Einrichtung über das Ausräumen des Verdachtes. Das Extra Team Kita bietet der beschuldigten Person eine Möglichkeit zur Aufarbeitung des Vorwurfes bspw. durch Austausch mit der Einrichtung, Partnern und anderen Beschäftigten.

  2. Gefährdungen durch (sexuelle) Übergriffe unter Kindern und Jugendlichen

    Auch durch andere Kinder und Jugendliche in Einrichtungen kann eine Gefährdung durch grenzverletzendes Verhalten oder (sexuelle) Übergriffe bestehen.

    Ein (sexueller) Übergriff liegt dann vor, wenn (sexuelle) Handlungen durch das übergriffige Kind erzwungen werden bzw. das betroffene Kind sie unfreiwillig duldet oder sich unfreiwillig daran beteiligt. Dabei wird häufig ein Machtgefälle zwischen den Beteiligten ausgenutzt, z.B. durch Drohungen oder Versprechungen.

    Aufgabe der Fachkräfte ist es, dieses Verhalten festzustellen und zu bewerten. Dabei muss das Verhalten der Jungen und Mädchen nach Intensität, Motivation und Alter differenziert werden.

    Der Verfahrensablauf bei (sexuellen) Übergriffen unter Kindern und Jugendlichen ist in dieser Kurzdarstellung nicht enthalten.

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